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Thema: Rassismus/Fremdenfeindlichkeit

  1. #1
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    Standard Rassismus/Fremdenfeindlichkeit

    Dank der Nachrichtenlage der letzten Wochen und Monate (erst die Wahlerfolge der AfD, dann seit neuestem eine Reihe von Demonstrationen unter dem schönen Motto "Pegida"), aber nicht zuletzt auch aus dem einen oder anderen persönlichen Grund () hatte ich in der letzten Zeit viel Anlass, über Themen wie (Alltags-)Rassismus und genereller Feindseligkeit gegenüber Fremden/Ausländern/Zuwanderern (oder auch nur nicht-ganz-deutsch-aussehenden Personen) nachzudenken. Und da ich es ja auch im Thread über "Satire und Kabarett" schon angedroht hatte, kommt jetzt hier mal ein eigener Thread dazu



    Mein Eindruck von diesem Land und von der Welt ist, dass das – nennen wir es mal ganz neutral "Unbehagen" – gegenüber dem Fremden/Andersartigen in den letzten Jahren zugenommen hat. Oder genauer gesagt, es scheint offenkundig salonfähiger und gesellschaftlich akzeptierter geworden zu sein, derlei Vorurteile auszuleben. Angefangen hat das mit Sarrazin, dann ging das über die Enttarnung des NSU (und den ja offenkundig – bewusst? unbewusst? – eher schlampigen Umgang der Behörden mit demselben), da sind Pegida & Co irgendwo doch nur die logische Folge davon ....
    (ja, ich erinnere mich, dass wir damals im Zuge der Sarrazin-Debatte einen Thread zum Thema "Migranten" hatten, und dass ich diesen damals auch noch selbst eröffnet hatte. Als Vorbereitung auf die jetzige Diskussion hab ich ihn noch einmal gelesen und muss ehrlich gestehen, dass ich manches, was ich damals geschrieben habe, heute nicht mehr so sehe, und mich für die eine oder andere Aussage sogar schäme. Manch anderes sehe ich allerdings noch ganz genauso. So oder so hab ich aber aus heutiger Sicht nicht den Eindruck, als seien integrationsunwillige Ausländer ein Hauptproblem unserer Gesellschaft )



    Na jedenfalls .... da ja heute (zum ersten Mal im neuen Jahr) allerorten wieder Pe- und andere -gida-Kundgebungen (aber natürlich auch eine Menge Gegendemonstrationen ) stattgefunden haben, ist das meiner Ansicht nach ein guter Anlass, die Drohung endlich wahrzumachen und das Thema hierher ins Forum zu tragen. Wie auch immer, das Gefährliche an Pegida & Co. sind ja v.a. zwei Sachen:

    • Einerseits ist es gerade die Tatsache, dass da so ganz unterschiedliche Menschen und Menschengruppen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen (und vielleicht auch unterschiedlichen Motiven?) mitmarschieren: Die einen, die schon immer stramme 100%ige Nazis waren und sich klammheimlich freuen, dass sie mit ihrem Weltbild nun auf einmal auch beim gesellschaftlichen Mainstream Anklang finden. Die anderen, die eben durch eine diffuse Mischung aus Fernsehen, Bildzeitung und in manchen Fällen womöglich auch eigene schlechte Erfahrungen dazu verleitet werden, in "den Ausländern" eine Bedrohung und vielleicht auch einen Sündenbock für ihre eigene (vermeintliche oder tatsächliche) missliche Lage sehen. Und manche werden womöglich auch gar nicht primär aus politischen Gründen mitmarschieren, sondern freuen sich einfach, dass sie mal auf sich aufmerksam und ein bisschen Krawall machen können (was z.B. auch meine ganz persönliche Deutung von diesem "Hooligans gegen Salafisten"-Quatsch wäre). Joa, und eben durch die Tatsache, dass da eben nicht nur „berufsmäßige“ Nazis und Krawallmacher marschieren, sondern auch (scheinbar) ganz normale, „zivilisierte“ Bürger, nimmt das Ganze so ein bisschen den Charakter einer breiten Volksbewegung an, was genau dieses verhängnisvolle Weltbild wiederum auch irgendwo "salonfähig" zu machen scheint. Das ist ja gerade der Knackpunkt, dass Nazis generell gerne annehmen, die schweigende Mehrheit der Gesellschaft zu repräsentieren – hier kriegen sie (zum ersten Mal?) so richtig die Bestätigung dafür.

    • Andererseits die Tatsache, dass (sei es im Selbstverständnis, aber v.a. auch in der Außenwirkung) immer unterschwellig die Gleichsetzung "Islamismus ist böse" = "Islam ist böse" = "Ausländer sind böse" vermittelt wird. Und dadurch, dass gerade durch diese diffuse Gemengelage das gemeinsame "Feindbild" irgendwo auch verschwimmt, dass also aus "Islamismus = böse" über kurz oder lang "Ausländer = böse" wird, wird ja eben auch ein Stück weit dazu beigetragen, dass Leute sich trauen, ihren Fremdenhass ungenierter auszuleben als früher, dass sie auf einmal anfangen, Moscheen mit Hakenkreuzen zu bemalen oder Asylbewerberheime anzuzünden oder Menschen, die nicht so richtig deutsch aussehen, zu verprügeln ..... und grad das find ich ziemlich beängstigend und gefährlich, ganz unabhängig davon, was man zum Thema "Islamismus" denkt und ob man diesen tatsächlich für eine ernstzunehmende Bedrohung (und seine Bekämpfung für ein legitimes Anliegen) hält.



    Aber genau darum finde ich, dass man gerade aus diesem Grund als Gegner von Pegida nicht denselben Fehler machen und den "Feind" nur als diffuse graue Masse abtun sollte. Wie schon im Satirethread geschrieben: Keiner mag es gerne, wenn man ihm von oben herab die Welt erklärt. Und darum halte ich so ein "Haltetdochdiefresseihrkacknazischweine" in so einem Fall für eher kontraproduktiv. Dadurch werden die sich doch vllt eher noch bestätigt fühlen (uuuuh, die bösen Mainstreammedien nehmen uns nicht ernst! und die Politiker schon gar nicht!). Vielleicht bin ich ein hoffnungsloser Idealist, aber ich würde mir eben wünschen, dass die Leute, die bei Pegida & Co marschieren, irgendwann selber erkennen, dass ihr Feindbild Humbug ist (und brandgefährlich noch dazu). Wenn es nun mal Menschen gibt, die bei dem Gedanken an Moscheen oder Asylbewerberheime in ihrer Nähe Angst/Hass/Wut/wasauchimmer empfinden, dann sollte es die Aufgabe aller Beteiligten – bzw. der ganzen Zivilgesellschaft – sein, dafür zu sorgen, dass die genannten Gefühle verschwinden. Ein Patentrezept, wie das nun konkret vonstatten gehen sollte, habe ich auch nicht; aber diese von Kristin ja schon im Satirethread angesprochene Dialogkultur ist mir mindestens ebenso wichtig wie ihr



    Wie auch immer (und das vllt als Schlusswort): Ich finde, es sollte uns allen ein Herzensbedürfnis sein, ein Land zu schaffen, in dem jeder, der den Wunsch hat, in diesem Land ein friedliches und sicheres Leben zu führen, auch das bedingungslose Recht hat, dieses führen zu können – ganz egal, aus welchem Land er selbst oder seine Vorfahren kamen oder welche Hautfarbe er/sie rein zufällig hat. Ich identifiziere mich, wie hier ja sicher die meisten wissen, schon immer sehr stark wie Deutschland – und gerade darum wünsche ich mir ein Deutschland, das für alle Menschen da ist, die in ihm leben; ein Deutschland, in dem diese sich gleichermaßen sicher und geborgen fühlen und mit dem sie sich gleichermaßen identifizieren können wie ich. Und in den letzten Wochen hab ich im Internet so einige Sachen gehört/gelesen (von verschiedenen Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Lebensumständen), die mir gezeigt haben, dass das wohl für manche Menschen nicht immer so ist – was mich, wie ich ehrlich zugebe, sehr berührt und betroffen gemacht hat. Gerade heute z.B. die Erfahrungen eines jungen Schwarzen, der in Leipzig aufgewachsen ist: http://www.sueddeutsche.de/leben/all...ssen-1.2202098 (und zur Ergänzung auch hier noch ein Interview mit ihm).
    Könnte übrigens auch noch mehr Sachen posten, aber mal schauen ......
    Eines Tages, wenn alles endet, sich letzten Endes zum Guten wendet ....


    Ich kann euch spüren!

  2. #2
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    Standard AW: Rassismus/Fremdenfeindlichkeit

    Nun....wir haben ja schon das ein oder andre mal privat über all das gesprochen und ich finde nach wie vor, wenn man die momentanen Probleme und „Stimmungen“ in unsrer Gesellschaft einfangen und besprechen will, dann greift „Rassismus/ Fremdenfeindlichkeit“ für mich zu kurz

    Aber erstmal zum direkten Thema: ich gebe dir schon Recht, dass es salonfähiger geworden ist, sich fremdenfeindlich zu äußern. Wie gesagt, kann ich mir schwerlich vorstellen, dass zB das Gespräch im Migranten-Thread heute noch so geführt werden würde wie damals. Klar, nicht zuletzt durch Sarrazin meldeten sich manche also zu Wort mit der Einleitung „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“, mittlerweile hat das die andere Seite so an den Pranger gestellt, dass man das nicht mehr sagen kann, ohne sofort ein Nazi zu sein. Und genau das ist die mangelnde Gesprächskultur, die ich sehe und die ich äußerst bedenklich finde.
    Ich halte es überhaupt nicht für hilfreich, wenn man zB aufm Handy die ersten Zeilen des Threads hier liest und einem sofort AfD& Pegida ins Auge springen.Wir alle sind Rassisten und stellen uns über andere Menschen. Mal mehr, mal weniger, der eine mehr, der andere weniger. Aber fakt ist: die AfD ist nicht das weltumspannende Problem, das wir haben.
    Wir (also die 'westliche Wertegemeinschaft' * hust*) unterdrücken seit jeder den afrikanischen Kontinent. Es müsste überhaupt keinen Hunger geben! Die medizinische Versorgung könnte viel besser sein, Geld für Bildung/ Aufklärung gäbe es auf der Welt zuhauf, man müsste es nur an der richtigen Stelle einsetzen....seit fast einem Jahr grassiert Ebola, aber es hat uns nur in einem gewissen Zeitkorridor interessiert. Und vor allem dann, als es hieß, dass Ebola außerhalb des afrikanischen Kontinents aufgetreten ist.
    Das ist Rassismus.
    Globalisierung ist Rassismus. Völlig wurscht, ob unsre Klamotten von Kik sind oder von irgendner teuren Marke – wir beuten Menschen in Afrika oder in Asien aus, damit wir günstiger leben können. Das ist Rassismus, oder wie Volker Pispers es mal genannt hat: Kapitalismus im Endstadium. Und gerade das bewirkt ja, dass sich der eine Mensch (oder eine Gruppe von Menschen) über einen anderen (oder eine andere Gruppe) stellt, weil Kapitalismus in seiner krassen Form ja eine Hierarchisierung impliziert.
    Wir alle wissen das, nur machen wir es uns mal mehr, mal weniger bewusst. Ich beziehe mich da natürlich ausdrücklich mit ein.

    Wie gesagt, ich sehe schon auch, dass es in letzter Zeit mehr gewagt wird (das ist nicht positiv konnotiert), fremdenfeindliche Äußerungen zu tätigen. Darunter sind Dinge, die einfach hohl und unter aller Sau sind.
    Wenn bei Pegida-Demonstrationen Plakate hochgehalten werden à la „Kartoffeln statt Döner“ - zum Kotzen.
    Leute, die Muslime bzw. Araber als „Kameltreiber“ diffamieren- rassistische A....löcher.
    Vorgestern beim Tatort wurde ein iranischer Diplomat ermordet und im Vorspann wurden die Namen der Schauspieler& Regisseure etc. in lateinischen und persischen Buchstaben eingeblendet. Da haben sich dann auch wieder welche aufgeregt – wie blöd und kulturlos kann man eigentlich sein?!

    Jedoch: 18.000 Menschen können nicht alle gleich denken und handeln.
    Die Menschen, die sich ausdrücklich gegen Pegida stellen, tun das sehr oft in der Form, dass sie alle Pegida-Anhänger als Idioten darstellen oder gar als Analphabeten. Sie verunglimpfen alle pauschal als Nazis. Der Postillon, den ich ja eigentlich sehr schätze, hat gestern für totale Verwirrung gesorgt, weil er ständig gepostet hat, dass die Pegida-Demonstration am Abend ausfällt (und das ging dann ständig so weiter mit Falschmeldungen von Falschmeldungen usw.). Ich frage mich: was ist denn damit gekonnt, wenn sich die Pegida-Leute nicht versammeln würden? Das finde ich schon bedenklich, dass es für erstrebenswert gehalten wird, dass die sich nicht versammeln.
    Über die heute-show hab ich mich ja schon vor Weihnachten aufgeregt, indem sie mal eben den ganzen Osten Deutschlands als fremdenfeindlich abstempeln.
    (Genauso wurde ja auch schon im Zuge von 25 Jahren Mauerfall das Bild vermittelt, alle ostdeutschen Frauen hießen Mandy, seien blond und reden sächsisch, es ist also nicht nur ne reine Pegida-Sache). Sehr auffallend auch, wie auf einmal wieder vermehrt gegen DEN Ostdeutschen abgezogen wird. Da hetzen manche, dass die Ossis ja alle nach der Wende nach Westdeutschland kamen und auch nicht arbeiten wollten.
    Aber ach ja, DAS wird man ja wohl noch sagen dürfen?

    Ich will ja damit nicht behaupten, dass mich derlei Pauschalisierungen genauso treffen wie einen schwarzen Leipziger, der angespuckt wird. Das Ausmaß ist nicht zu vergleichen.
    Aber was mich an den erklärten, lauten Pegida-Gegnern stört, ist, dass sich einige von ihnen exakt der gleichen Denkmuster bedienen wie die Pegida-Anhänger. Es sind dieselben Denkschemata, Pauschalisierungen und Mundtotmachungen (ähm...tolles Wort) auf beiden Seiten (dass weder alle Pegida-Anhänger noch alle Pegida-Gegner gleich denken, setz ich einfach mal voraus).
    Ich frage mich, welchen Zweck es hat, dass jegliche Äußerungen der Pegida sofort als nicht äußerungswürdig abgestempelt werden. Natürlich: sie haben sich den saudämlichen Namen Pegida gegeben. Gegen die ISLAMISIERUNG. Also müssen sie sich natürlich auch Gegenargumente gefallen lassen, wieso es mit der Islamisierung ggf. doch nich so weit her ist.
    Aber wenn man sich mal bissl zum Beispiel auf deren fb-Seite umsieht, sieht man, dass es nicht nur um die Asylpolitik geht, sondern es mittlerweile auch sehr stark gegen die Politiker und gegen die Medien geht. Sie skandieren ja nicht zuletzt auch, dass wir eine Lügenpresse haben.
    Nun: der MDR hat heute Nachmittag eine Umfrage gemacht, inwiefern Pegida wohl dem Image der Stadt Dresden schade. Es entwickelte sich wohl so, dass 92% der Meinung waren, dass Pegida Dresden nicht schade (davon gibt es Screenshots). Daraufhin wurde die Umfrage vom Server genommen (die Internetseite ist nicht mehr verfügbar) und es wurde nur geschrieben, dass die Mehrheit denkt, dass Pegida Dresden nicht schadet. Okay, gelogen ist das nicht, aber ist das nicht recht tendenziös? Man spielt der Pegida doch nur in die Hände, indem man derlei „Verschönerungen“ vornimmt! Was meint ihr, wie die sich jetzt auf facebook feiern und Futter für ihren Vorwurf der Lügenpresse gekriegt haben??

    Gestern wurde wohl Stanislaw Tillich eingeladen, nächste Woche bei der Pegida zu sprechen und er hat abgelehnt. Das finde ich auch ziemlich vernünftig bzw. fänd ich einen solchen Auftritt ziemlich strange. Aber ich finde, wir alle müssen endlich miteinander sprechen und die Fakten auf den Tisch legen. Und dabei rede ich gar nicht mal von der vermeintlichen Islamisierung, sondern beispielsweise eben von der vermeintlichen Lügenpresse bzw. unserem ganzen System. So langsam hab ich echt Angst, dass uns das alles um die Ohren fliegt. Pegida auf der Straße, Gegendemos auf der Straße und im Internet bekriegen sie sich dann gegenseitig....das bringt es doch nicht wirklich, auch wenn es bisher weitestgehend und erstaunlich friedlich verlief.

    Wenn der Gründer von Pegida straffällig geworden und nach Südafrika geflohen ist sowie Helene Fischer (als russischen Flüchtling) mag, dann ist das doch Realsatire. Sowas würde Pegida entwaffnen bzw. würde dort die Spreu vom Weizen trennen. Aber wie gesagt, wenn man eine Umfrage vom Server nimmt, die für die Pegida positiv ist (dass sie nicht repräsentativ ist, ist klar und stand auch da), dann spielt man ihnen in die Karten und liefert genau den Beweis, den die Pegida braucht.

    Und was diese „Wir sind das Volk“- und „Ihr seid nicht das Volk“-Sache angeht: in einem Leserbrief habe ich heute gelesen, dass den Montagsdemonstranten in der DDR auch zunächst vorgeworfen wurde, dass sie in der Gesellschaft Schaden anrichten, Volksfeinde sind etc. (was ja auch logisch war ). Was wäre, wenn die Pegida sich durchsetzen würde und „an die Macht“ käme? Dann wären sie auf einmal auch die Richtigen, so, wie die Montagsdemonstranten der DDR heute für uns die Richtigen sind.
    Nicht, dass mich jemand falsch versteht: es geht mir nicht darum, wer Recht und wer Unrecht hat. Keine Seite hat die Weisheit mit Löffeln gefressen und, ganz wichtig: niemand hat die Deutungshoheit. Dass die Pegida die nicht hat, ist klar. Aber wie gesagt, ebenso wenig Vertrauen habe ich, wenn exakt die gleichen Denkmuster bedient werden, nur mit gegensätzlichem Inhalt.

    Kurzum: Pegida und AfD sind für mich nicht die ersten Adressen, wenn es um Rassismus geht, aber da dieser Thread ja offenbar auch aus dieser Motivation heraus gestartet wurde, habe ich mich dazu geäußert.
    Es ist ohne Diskussion scheiße, wenn sich ein Mensch (oder eine Gruppe) aus einem vermeintlichen Überlegenheitsgefühl über einen anderen (oder eine andere Gruppe) stellt.
    Es herrscht viel Unwissenheit über Religionen und den Islam im Besonderen.
    Wir alle brauchen Bildung und Aufklärung sowie Dialogbereitschaft, kein gegenseitig Aufhetzen.
    Aber nicht zuletzt sollte sich niemand dazu aufschwingen zu behaupten, dass er keinerlei rassistische Strukturen bedient und fördert, denn das tun wir alle, darauf ist unsere Weltordnung (und vielleicht auch menschliche Natur) ausgerichtet.

    Für die derzeitigen (zum Glück bisher nur verbalen) Unruhen bei uns sind ja nicht zuletzt die immensen Flüchtlingsströme verantwortlich. Aber statt dass wir uns gegenseitig und noch dazu den Flüchtlingen die Köpfe einschlagen, sollten wir doch lieber mal fragen, was zu den vielen Kriegen führt, welche Interessen das sind?
    Und statt dass wir uns in bester Nazikeulen-Manier über ein braunes Hemd eines ZDF-Moderatoren entrüsten, sodass das ZDF offiziell erklärt, dass das Hemd nicht braun, sondern olivgrün (oder so?) gewesen sei (so im Herbst geschehen), sollten wir uns doch lieber fragen, wieso wir, unsre Gesellschaft, unsre Medien sich im Ukrainekrieg mehrheitlich lieber auf die Seite von Faschisten stellen (bzw das herunterspielen), anstatt die dortige Situation differenziert und mit all ihren Hintergründen zu betrachten...

    Ja, das war jetzt ein ziemlicher Rundumschlag, aber wie gesagt, mit „AfD + Pegida = böööööööööööse“ erreichen wir genauso wenig wie mit „Islamismus = Islam = Ausländer = böööööööööööööööse“, dafür ist die ganze Lage zu komplex.
    alles hier erinnert
    aber nichts davon bleibt

  3. #3
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    Standard AW: Rassismus/Fremdenfeindlichkeit

    Zitat Zitat von Sk8er_Girl Beitrag anzeigen
    Aber erstmal zum direkten Thema: ich gebe dir schon Recht, dass es salonfähiger geworden ist, sich fremdenfeindlich zu äußern. Wie gesagt, kann ich mir schwerlich vorstellen, dass zB das Gespräch im Migranten-Thread heute noch so geführt werden würde wie damals. Klar, nicht zuletzt durch Sarrazin meldeten sich manche also zu Wort mit der Einleitung „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“, mittlerweile hat das die andere Seite so an den Pranger gestellt, dass man das nicht mehr sagen kann, ohne sofort ein Nazi zu sein. Und genau das ist die mangelnde Gesprächskultur, die ich sehe und die ich äußerst bedenklich finde.
    Ich halte es überhaupt nicht für hilfreich, wenn man zB aufm Handy die ersten Zeilen des Threads hier liest und einem sofort AfD& Pegida ins Auge springen.Wir alle sind Rassisten und stellen uns über andere Menschen. Mal mehr, mal weniger, der eine mehr, der andere weniger. Aber fakt ist: die AfD ist nicht das weltumspannende Problem, das wir haben.
    Wir (also die 'westliche Wertegemeinschaft' * hust*) unterdrücken seit jeder den afrikanischen Kontinent. Es müsste überhaupt keinen Hunger geben! Die medizinische Versorgung könnte viel besser sein, Geld für Bildung/ Aufklärung gäbe es auf der Welt zuhauf, man müsste es nur an der richtigen Stelle einsetzen....seit fast einem Jahr grassiert Ebola, aber es hat uns nur in einem gewissen Zeitkorridor interessiert. Und vor allem dann, als es hieß, dass Ebola außerhalb des afrikanischen Kontinents aufgetreten ist.
    Das ist Rassismus.
    Globalisierung ist Rassismus. Völlig wurscht, ob unsre Klamotten von Kik sind oder von irgendner teuren Marke – wir beuten Menschen in Afrika oder in Asien aus, damit wir günstiger leben können. Das ist Rassismus, oder wie Volker Pispers es mal genannt hat: Kapitalismus im Endstadium. Und gerade das bewirkt ja, dass sich der eine Mensch (oder eine Gruppe von Menschen) über einen anderen (oder eine andere Gruppe) stellt, weil Kapitalismus in seiner krassen Form ja eine Hierarchisierung impliziert.
    Wir alle wissen das, nur machen wir es uns mal mehr, mal weniger bewusst. Ich beziehe mich da natürlich ausdrücklich mit ein.
    Ich stimm dir ja vollkommen zu, dass das wirksamste Mittel gegen das alles wäre, zunächst mal die Situation in Afrika oder dem Nahen Osten selber zu verbessern (und natürlich auch überall dort, wo sonst noch Not/Krieg/Hunger/Elend herrschen). Dass man dort Bedingungen schafft, die es erlauben, dass alle Menschen dort in politischer Sicherheit und relativem wirtschaftlichem Wohlstand leben können, und keiner sich gezwungen sieht, sein Land verlassen zu müssen.
    Nur: Das ist in der Tat nicht das, worum es mir mit diesem Thread ging. Fakt ist doch nun mal, es leben nun mal viele Menschen aus anderen Ländern in diesem Land; manche sind in den als Flüchtlinge hierhergekommen, manche leben schon seit Jahren oder Jahrzehnten hier oder sind hier geboren und aufgewachsen. Und um die ging es mir hier ja vor allem, also dass wir diese nicht als Problem begreifen, dessen wir Herr werden müssen, sondern dass wir alle einsehen, dass wir für diese Menschen Verantwortung tragen; dass es uns alle angeht, dass die bei uns sicher und friedlich und angstfrei leben können. Ich glaube, einen durchschnittlichen syrischen Flüchtling wird es nicht besonders interessieren, wenn du ihm erklärst, dass an seiner Lage doch eh nur die Globalisierung schuld ist



    Zitat Zitat von Sk8er_Girl Beitrag anzeigen
    Wie gesagt, ich sehe schon auch, dass es in letzter Zeit mehr gewagt wird (das ist nicht positiv konnotiert), fremdenfeindliche Äußerungen zu tätigen. Darunter sind Dinge, die einfach hohl und unter aller Sau sind.
    Wenn bei Pegida-Demonstrationen Plakate hochgehalten werden à la „Kartoffeln statt Döner“ - zum Kotzen.
    Leute, die Muslime bzw. Araber als „Kameltreiber“ diffamieren- rassistische A....löcher.
    Vorgestern beim Tatort wurde ein iranischer Diplomat ermordet und im Vorspann wurden die Namen der Schauspieler& Regisseure etc. in lateinischen und persischen Buchstaben eingeblendet. Da haben sich dann auch wieder welche aufgeregt – wie blöd und kulturlos kann man eigentlich sein?!

    Jedoch: 18.000 Menschen können nicht alle gleich denken und handeln.
    Die Menschen, die sich ausdrücklich gegen Pegida stellen, tun das sehr oft in der Form, dass sie alle Pegida-Anhänger als Idioten darstellen oder gar als Analphabeten. Sie verunglimpfen alle pauschal als Nazis. Der Postillon, den ich ja eigentlich sehr schätze, hat gestern für totale Verwirrung gesorgt, weil er ständig gepostet hat, dass die Pegida-Demonstration am Abend ausfällt (und das ging dann ständig so weiter mit Falschmeldungen von Falschmeldungen usw.). Ich frage mich: was ist denn damit gekonnt, wenn sich die Pegida-Leute nicht versammeln würden? Das finde ich schon bedenklich, dass es für erstrebenswert gehalten wird, dass die sich nicht versammeln.
    [...]

    Aber was mich an den erklärten, lauten Pegida-Gegnern stört, ist, dass sich einige von ihnen exakt der gleichen Denkmuster bedienen wie die Pegida-Anhänger. Es sind dieselben Denkschemata, Pauschalisierungen und Mundtotmachungen (ähm...tolles Wort) auf beiden Seiten (dass weder alle Pegida-Anhänger noch alle Pegida-Gegner gleich denken, setz ich einfach mal voraus).
    Ich frage mich, welchen Zweck es hat, dass jegliche Äußerungen der Pegida sofort als nicht äußerungswürdig abgestempelt werden. Natürlich: sie haben sich den saudämlichen Namen Pegida gegeben. Gegen die ISLAMISIERUNG. Also müssen sie sich natürlich auch Gegenargumente gefallen lassen, wieso es mit der Islamisierung ggf. doch nich so weit her ist.
    Aber wenn man sich mal bissl zum Beispiel auf deren fb-Seite umsieht, sieht man, dass es nicht nur um die Asylpolitik geht, sondern es mittlerweile auch sehr stark gegen die Politiker und gegen die Medien geht. Sie skandieren ja nicht zuletzt auch, dass wir eine Lügenpresse haben.
    Zitat Zitat von Sk8er_Girl Beitrag anzeigen
    Nicht, dass mich jemand falsch versteht: es geht mir nicht darum, wer Recht und wer Unrecht hat. Keine Seite hat die Weisheit mit Löffeln gefressen und, ganz wichtig: niemand hat die Deutungshoheit. Dass die Pegida die nicht hat, ist klar. Aber wie gesagt, ebenso wenig Vertrauen habe ich, wenn exakt die gleichen Denkmuster bedient werden, nur mit gegensätzlichem Inhalt.
    Hmm, aber genau das hab ich doch auch versucht zu sagen
    Wie gesagt, es marschieren da ganz verschiedene Menschen mit; Menschen mit unterschiedlichem Bildungsstand und unterschiedlichem Einkommen; Menschen mit unterschiedlicher Biografie und unterschiedlichem politischem Background. Und ich hab ja auch ausdrücklich geschrieben, dass die Gegner von Pegida auf gar keinen Fall denselben Fehler machen dürfen, die alle über einen Kamm zu scheren und ihnen alle die gleiche ablehnende Behandlung angedeihen zu lassen. Ich glaube daran, dass Menschen fähig sind, durch Nachdenken und Einsicht (oder durch neue/andere Erfahrungen) dazuzulernen (und wenn ich den Migranten-Thread heute noch mal lese, frag ich mich tatsächlich auch, ob ich Pegida & Co. vor vier, fünf Jahren vielleicht sogar ganz gut gefunden hätte). Wie du schon sagtest, am besten wäre es, die Pegiden merken selber, dass sie mit ihrem ganzen Zeug vielleicht gar nicht soooo Recht haben; sei es, indem man ihrem „Lügenpresse“-Vorwurf nicht noch in die Hände spielt (siehe dein Beispiel mit dem MDR oder meins mit dem RTL-Reporter); sei es, indem man ihnen aufzeigt, dass nicht „der Islam“ oder „die Ausländer“ an allem Schuld sind. Ich denke ja, sehr vieles bei Pegida passiert tatsächlich auch aus Unwissenheit, Indifferenz oder aus mangelnder Erfahrung heraus. Man sieht ja z.B., dass Pegida ja im Grunde nur in Dresden richtig starken Zulauf hat, wo es eben von allen Städten vergleichbarer Größe die wenigsten Muslime (oder überhaupt Zuwanderer) gibt, während es in anderen Städten ja eher so zu sein scheint, dass sich (wenn überhaupt) ein paar hundert Demostranten gegenüber tausenden Gegendemonstranten verlieren. Vor dem Hintergrund fand ich auch eins bemerkenswert, was der in meinem ersten Beitrag verlinkte Leipziger geäußert hat: Dass man eben von klein auf dafür Sorge tragen sollte, dass Kinder mit Kindern aus anderen Kulturen (bzw. auch nur mit Kindern mit anderer Hautfarbe) zusammenkommen, damit es für sie von Anfang an selbstverständlich ist und Berührungsängste gar nicht erst entstehen


    Gerade heute (d.h. mittlerweile gestern) hatte ich erst eine ziemlich erstaunliche Diskussion: Mir wurde wörtlich gesagt, es wäre am besten, wenn beim nächsten Mal jeder Pegida-Demonstrant noch einen zweiten mitbringt – und überhaupt sei es spannend, in welche Richtung sich das alles mal noch entwickeln werde. Denn dadurch würden die Politiker doch auch endlich mal merken, dass sie jahrelang nur geschlafen und wirksame Maßnahmen unterlassen haben – schließlich würden in Sachsen doch tagtäglich kriminelle tschechische und polnische Banden über die offenen Grenzen kommen und ungehindert ihr Unwesen treiben können, während die Polizei nichts tun könne oder auch gar nicht wolle. Auf meine Frage hin, wieso es dann „gegen Islamisierung“ heißt, und inwiefern polnische oder tschechische Bandenkriminalität dazu beitrage, uns alle zu islamisieren, erhielt ich die wörtliche Antwort: „Das ist ja nur ein Ventil“, und die Hauptsache sei doch, dass die Politiker jetzt endlich mal merken, dass sie handeln müssen. Jetzt, da da zehntausende auf die Straße gingen, könnten sie das endlich nicht mehr einfach ignorieren.
    Aber genau das ist es doch, was ich meinte: Es geht doch gar nicht darum, dass in diesem Land alles toll und Friede-Freude-Eierkuchen ist. Es wäre doch – unabhängig davon, wie sinnvoll oder wie intelligent ich persönlich das fände – ein völlig legitimes Anliegen, wenn in Dresden und anderswo Leute unter dem Motto „Patriotische Europäer gegen Politiker und Medien“ (um dein Beispiel aufzugreifen, Kristin) auf die Straße gingen. Oder meinetwegen sogar „Patriotische Europäer gegen tschechische und polnische Bandenkriminalität“. Aber dann soll man bitte auch ehrlich sagen, worum es einem wirklich geht, und nicht nur auf perfide Weise einen (im Grunde ja doch recht beliebigen) Sündenbock vorschieben, der mit der eigentlichen Sache doch überhaupt nix zu tun hat. Statt Islamisten (oder überhaupt Muslimen) hätten die doch genausogut Afrikaner oder Vietnamesen oder sogar Juden zum Feindbild erklären können. Und genau das find ich ziemlich widerlich. Die oben erwähnte Diskussion endete übrigens tatsächlich damit, dass ich sagte: Früher waren die Juden, die „jüdische Weltverschwörung“ an allem Schuld, heute ist es der Islam. Nein, damit will ich nicht sagen, dass ich glaube, dass eine rechte Diktatur uns uuuuunmittelbar bevorsteht; aber in dem Moment war ich tatsächlich selber ein wenig erschrocken ….



    Zitat Zitat von Sk8er_Girl Beitrag anzeigen
    Es ist ohne Diskussion scheiße, wenn sich ein Mensch (oder eine Gruppe) aus einem vermeintlichen Überlegenheitsgefühl über einen anderen (oder eine andere Gruppe) stellt.
    Es herrscht viel Unwissenheit über Religionen und den Islam im Besonderen.
    Wir alle brauchen Bildung und Aufklärung sowie Dialogbereitschaft, kein gegenseitig Aufhetzen.
    Aber nicht zuletzt sollte sich niemand dazu aufschwingen zu behaupten, dass er keinerlei rassistische Strukturen bedient und fördert, denn das tun wir alle, darauf ist unsere Weltordnung (und vielleicht auch menschliche Natur) ausgerichtet.
    Ja, das kann ich ganz genauso unterschreiben
    Ich hatte ja schon damals im Migranten-Thread geschrieben: so ziemlich das Wichtigste ist für mich Bildung, Bildung, Bildung. Damit meinte ich damals v.a., dass die Menschen, die bei uns leben wollen, möglichst schnell die deutsche Sprache und möglichst viel über die deutsche Kultur lernen sollten. Und dass es selbstverständlich nicht damit getan wäre, zu sagen „lernt deutsch, ihr Ausländer!“, sondern dass v.a. auch von deutscher Seite die Bedingungen dazu geschaffen werden müssen. Das ist übrigens einer der Punkte, die ich heute noch genauso sehe wie 2010. Heute würde ich allerdings noch ergänzen: dass natürlich auch die Deutschen möglichst viel über andere Kulturen und über das Leben der Menschen aus anderen Weltgegenden (und zwar sowohl in ihrer Heimat als auch in Deutschland) lernen sollten. Ich hab z.B. selber festgestellt, wie erschreckend wenig ich über das deutsche Asylrecht und v.a. über die Lebensbedingungen von Asylsuchenden bei uns weiß


    Und ansonsten: Nein, ich mag es auch nicht besonders, wenn ein Mensch soofort sagt: „Nein, ich habe üüüüüberhaupt nix gegen Ausländer“ oder „Nein, ich könnte selbstverständlich niiiiiieee zum Nazi werden“. Ich denk mir eben immer: Vielleicht hätte ja gar nicht so viel gefehlt, und ich wär selber zum Nazi geworden. Ich bin aber ganz froh, dass ich keiner bin (also, zumindest meinem Selbstverständnis nach nicht ). Wichtig fänd ich allerdings vor allem, dass man (wie du ja auch schon sagst) sich nicht selber ach sooo toll und überlegen findet, sondern sich auch selber immer wieder kritisch hinterfragt und auch mal bereit ist, sein Weltbild ein bisschen zu revidieren



    Zitat Zitat von Sk8er_Girl Beitrag anzeigen
    Für die derzeitigen (zum Glück bisher nur verbalen) Unruhen bei uns
    Die Pegida-Demos – und auch die Gegendemos – scheinen bisher weitestgehend friedlich verlaufen zu sein, ja (wobei da zumindest aus Dresden vor Weihnachten auch anderes zu lesen war, aber nun ja). Das Problematische an der Sache ist aber: Gerade durch diese „nur verbalen“ Unruhen werden ja nicht zuletzt in mancherlei Augen auch Unruhen legitimiert, die vielleicht nicht mehr ganz so verbal sind. Wie schon in meinem ersten Beitrag geschrieben: Wenn es auf einmal zur Massenbewegung wird, gegen Muslime auf die Straße zu gehen, dann fühlen sich ja vielleicht auch die „klassischen“ Nazis ermutigt, auch mal einem auf einer nächtlichen Straße aufzulauern? Oder wenn Mama und Papa gegen den Islam sind, dann denkt sich vielleicht ein 15-jähriges Bürschlein, dass es auch okay ist, im Asylantenheim die Fensterscheiben einzuschmeißen oder die Moschee mit ein paar Hakenkreuzen zu verschönern?
    (Und ja, ich lese in den Medien tatsächlich auch häufiger mal von Gewalttätigkeiten, ob das nun Attacken auf Asylbewerberheime sind oder – hast du ja vielleicht gehört – die Meldung, wonach kürzlich in Merseburg zwei Afrikaner nach einem Discobesuch verprügelt wurden. Jedenfalls hab ich schon den Eindruck, dass solche Meldungen in den letzten Monaten zunehmen; aber ob das nun tatsächlich einem „Rechtsruck“ der Gesellschaft zuzuschreiben ist, oder ob es einem nur mehr auffällt, kann ich noch nicht so recht beurteilen. Jedenfalls ist das, also das erstere, aber in der Tat eine meiner Hauptsorgen, wenn ich auf Pegida und so gucke; dass die da also – ob bewusst oder unbewusst – was entfesseln, was sie irgendwann selbst nicht mehr kontrollieren können ….)
    Eines Tages, wenn alles endet, sich letzten Endes zum Guten wendet ....


    Ich kann euch spüren!

  4. #4
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    Standard AW: Rassismus/Fremdenfeindlichkeit

    Ich stimm dir ja vollkommen zu, dass das wirksamste Mittel gegen das alles wäre, zunächst mal die Situation in Afrika oder dem Nahen Osten selber zu verbessern (und natürlich auch überall dort, wo sonst noch Not/Krieg/Hunger/Elend herrschen). Dass man dort Bedingungen schafft, die es erlauben, dass alle Menschen dort in politischer Sicherheit und relativem wirtschaftlichem Wohlstand leben können, und keiner sich gezwungen sieht, sein Land verlassen zu müssen.
    Nur: Das ist in der Tat nicht das, worum es mir mit diesem Thread ging. Fakt ist doch nun mal, es leben nun mal viele Menschen aus anderen Ländern in diesem Land; manche sind in den als Flüchtlinge hierhergekommen, manche leben schon seit Jahren oder Jahrzehnten hier oder sind hier geboren und aufgewachsen. Und um die ging es mir hier ja vor allem, also dass wir diese nicht als Problem begreifen, dessen wir Herr werden müssen, sondern dass wir alle einsehen, dass wir für diese Menschen Verantwortung tragen; dass es uns alle angeht, dass die bei uns sicher und friedlich und angstfrei leben können. Ich glaube, einen durchschnittlichen syrischen Flüchtling wird es nicht besonders interessieren, wenn du ihm erklärst, dass an seiner Lage doch eh nur die Globalisierung schuld ist
    Ja, mit dem letzten hast du Recht. Aber ich bin eben immer so ein Prinzipienreiter und forsche gern nach den weiteren Ursachen. Und diese Flüchtlingswellen waren ja absehbar bzw. sind gezielt von „uns“ initiiert worden. Statt dass wir afrikanische Länder oder die in Nahost mal in Ruhe lassen bzw. ihnen helfen, führen wir dort einen Krieg nach dem andren.
    Und auch wenn das für manche schon als rassistisch gelten mag, finde ich eben: wenn jetzt auf 1000 „deutsch/ westlich Sozialisierte“ 5 Einwanderer kommen, dann gelingt dort die Integration sicherlich besser, als wenn auf 1000 „deutsch/ westlich Sozialisierte“ gleich nochmal 1000 Einwanderer kommen, die möglicherweise einer anderen Religion angehören, einer anderen Kultur entstammen etc. Das hat nichts damit zu tun, dass die eine Kultur, dass die eine Religion besser oder schlechter ist als die andere, das will ich damit überhaupt nicht sagen, aber das Problem an uns Menschen ist eben, dass immer irgendwas dominieren muss, sei es eine Religion oder andere Bestandteile der Kultur. Man kann nicht völlig verschiedene Menschen zusammenschmeißen und denken, dass das von allein gut geht.

    Und ich hab ja auch ausdrücklich geschrieben, dass die Gegner von Pegida auf gar keinen Fall denselben Fehler machen dürfen, die alle über einen Kamm zu scheren und ihnen alle die gleiche ablehnende Behandlung angedeihen zu lassen.
    Das schon, trotzdem hast du zu erst ausgeführt, dass das im Kern Nazis sind und wie gefährlich sie sind und hast erst dann relativiert. Überhaupt liest sich dein zweiter Post jetzt bei weitem nicht so – entschuldige – wischiwaschigutmenschlich

    Man sieht ja z.B., dass Pegida ja im Grunde nur in Dresden richtig starken Zulauf hat, wo es eben von allen Städten vergleichbarer Größe die wenigsten Muslime (oder überhaupt Zuwanderer) gibt
    Soso. Im Osten gibt es aber ansonsten nur noch Legida (was weit weniger Leute mobilisiert, aber noch halbwegs erwähnenswert ist). Müsste der Logik zufolge nicht in weiteren ostdeutschen Städten ein derartiges Aufgebot von Demonstranten sein?
    Außerdem hab ich ja mal ein bisschen bei Pegida& Gegnern bei facebook gelesen und es fahren auch so einige aus anderen Teilen Deutschlands montags nach Dresden. Klar, der Großteil kommt sicherlich aus Dresden& Umgebung, aber so einfach kann man es sich nicht machen, wie ich finde.

    „Das ist ja nur ein Ventil“, und die Hauptsache sei doch, dass die Politiker jetzt endlich mal merken, dass sie handeln müssen. Jetzt, da da zehntausende auf die Straße gingen, könnten sie das endlich nicht mehr einfach ignorieren.
    Aber genau das ist es doch, was ich meinte: Es geht doch gar nicht darum, dass in diesem Land alles toll und Friede-Freude-Eierkuchen ist. Es wäre doch ein völlig legitimes Anliegen, wenn in Dresden und anderswo Leute unter dem Motto „Patriotische Europäer gegen Politiker und Medien“ (um dein Beispiel aufzugreifen, Kristin) auf die Straße gingen. Oder meinetwegen sogar „Patriotische Europäer gegen tschechische und polnische Bandenkriminalität“. Aber dann soll man bitte auch ehrlich sagen, worum es einem wirklich geht, und nicht nur auf perfide Weise einen (im Grunde ja doch recht beliebigen) Sündenbock vorschieben, der mit der eigentlichen Sache doch überhaupt nix zu tun hat.
    Ja, da gebe ich dir Recht. Allerdings hat sich das ja erst so entwickelt und bei den Protesten haben sich halt neben Islamisierung noch weitere Protestthemen herauskristallisiert, nehme ich mal an. Selbst wenn sie den Namen wechseln würden (wobei PEGPUM auch selten doof klingt ), würde man sie immer noch als „die Nazis, die gegen den Islam wettern“ kennen, das hat sich wohl eingebrannt.
    Und: die Politiker ignorieren es doch bisher. Sie klopfen zwar kluge Sprüche, aber genau dieses Abtun ist doch im Grunde nichts anderes als Ignorieren.

    so ziemlich das Wichtigste ist für mich Bildung, Bildung, Bildung. Damit meinte ich damals v.a., dass die Menschen, die bei uns leben wollen, möglichst schnell die deutsche Sprache und möglichst viel über die deutsche Kultur lernen sollten. Und dass es selbstverständlich nicht damit getan wäre, zu sagen „lernt deutsch, ihr Ausländer!“, sondern dass v.a. auch von deutscher Seite die Bedingungen dazu geschaffen werden müssen. Das ist übrigens einer der Punkte, die ich heute noch genauso sehe wie 2010. Heute würde ich allerdings noch ergänzen: dass natürlich auch die Deutschen möglichst viel über andere Kulturen und über das Leben der Menschen aus anderen Weltgegenden (und zwar sowohl in ihrer Heimat als auch in Deutschland) lernen sollten.
    Lol, ich habe sogar in erster Linie die Bildung der Deutschen gemeint...
    (Dass Einwanderer möglichst schnell Deutsch lernen sollen etc., setze ich einfach mal voraus)
    Ich lasse gerade beim Thema Judentum eine Thorarolle anfertigen mit Informationen zum Judentum darauf (ich geh mal nicht näher darauf ein )...und eine Schülerin kam an, hatte schon was dazu ausgearbeitet – was jedoch vom Islam handelte. Ihr Kommentar dazu: „Meine Mutter hat gesagt, die Thorarolle gehört zum Islam!“
    Und naja, lernt man nicht einiges über andere Länder und Kulturen, schon mal in der Schule? Aber 1. ist das ja eher Faktenwissen (Einwohnerzahlen, Gebirge, wasweißich, …) und 2. kriegt man doch viel mehr von einem Land, einer Kultur mit, wenn man entweder mit Einheimischen zu tun hat oder selbst da ist. Allerdings hat dazu nicht jeder das Geld (erst recht nicht, die ausgetretenen Pfade des Pauschaltourismus zu verlassen) und zweitens ist solches Wissen ja nie erschöpfend bei fast 200 Ländern auf der Erde...

    Und ja, ich lese in den Medien tatsächlich auch häufiger mal von Gewalttätigkeiten, ob das nun Attacken auf Asylbewerberheime sind oder – hast du ja vielleicht gehört – die Meldung, wonach kürzlich in Merseburg zwei Afrikaner nach einem Discobesuch verprügelt wurden.
    In unseren heißgeliebten USA werden übrigens Schwarze sogar von der Polizei umgebracht. Die Entrüstung in Deutschland hält sich in gewissen Grenzen (auch wenn sie natürlich da ist). Und in den USA ist ja das perfide und gleichzeitig interessante, dass die alle Einwanderer sind, weder die Schwarzen noch die Weißen „schon immer“ da gelebt haben (das „Problem“ Indianer wurde ja vorher schon per Genozid gelöst). Daran sieht man, dass Rassismus Macht demonstrieren soll und entsprechend auftritt, je ungleicher die Gesellschaft/ die Menschheit wird.

    Jedenfalls ist das [...] aber in der Tat eine meiner Hauptsorgen, wenn ich auf Pegida und so gucke; dass die da also – ob bewusst oder unbewusst – was entfesseln, was sie irgendwann selbst nicht mehr kontrollieren können ….
    Schon, ja. Es wurde ja immer mal wieder festgestellt, dass unser Wahlvolk nicht so gaaaanz mündig ist, wie man es sich vielleicht wünschen würde.
    Andererseits, was soll man da tun? Gar nicht erst auf Missstände (damit meine ich nicht die Islamisierung, sondern die anderen, die Pegida anklagt) eingehen?

    Übrigens mal wieder bigott hoch zehn: Medien wie die BILD stellen sich gegen Pegida und schüren gleichzeitig Angst vorm Islam (gestern kam da wohl auch Helmut Schmidt zu Wort, der sich gegen Pegida aussprach, aber andererseits auch vor ner Weile mal sagte, wer sich eine steigende Zahl von Muslimen in Deutschland wünsche, gefährde die innere Sicherheit).
    Und jetzt, wo der Anschlag in Paris geschehen ist, hetzt die BILD schön rum: „Massaker bei Pariser Zeitschrift! Sie stürmten mit Kalaschnikows die Redaktion des islamkritischen Satire-Magazins […] Attentäter riefen: wir rächen den Propheten“ So, wie sie schon seit langem gegen den Islam hetzt, soweit ich das verfolge. Da ist doch klar, wieso sie Angst vor Pegida haben, oder?

    Und wenn ich mich frage „Hm, das war jetzt aber seeeehr schnell klar, dass das Islamisten waren in Paris“, dann komm ich mir so seltsam unaufgehoben vor in unsrer komplexen politischen Welt...
    alles hier erinnert
    aber nichts davon bleibt

  5. #5
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    Standard AW: Rassismus/Fremdenfeindlichkeit

    Ich greif jetzt mal nur ein paar ausgewählte Punkte raus ......


    Soso. Im Osten gibt es aber ansonsten nur noch Legida (was weit weniger Leute mobilisiert, aber noch halbwegs erwähnenswert ist). Müsste der Logik zufolge nicht in weiteren ostdeutschen Städten ein derartiges Aufgebot von Demonstranten sein?
    Außerdem hab ich ja mal ein bisschen bei Pegida& Gegnern bei facebook gelesen und es fahren auch so einige aus anderen Teilen Deutschlands montags nach Dresden. Klar, der Großteil kommt sicherlich aus Dresden& Umgebung, aber so einfach kann man es sich nicht machen, wie ich finde.
    Naja was ist denn deine Erklärung dafür, wieso das als Phänomen so sehr auf Dresden beschränkt bleibt?
    Bei uns in der Zeitung war heute eine Grafik mit Zahlen, wie viele Menschen in welchen Städten vorgestern auf Pegida-Demos waren und wie viele auf Gegendemos. Die genauen Zahlen hab ich jetzt nicht hier liegen (kann ich aber raussuchen und abtippen, falls gewünscht), aber es waren auf jeden Fall 18.000 Pegida-Anhänger in Dresden und jeweils ein paar hundert in anderen Städten (darunter Köln oder auch Würzburg); während die Zahl der Gegendemonstranten, die ansonsten überall deutlich in der Überzahl waren, sich in Dresden (verglichen mit anderen Städten) mit 4000 bestenfalls im Mittelfeld bewegte.
    Wie gesagt, eine richtige Erklärung dafür hab ich auch nicht, aber dass Dresden weniger multikulturell ist als andere Städte vergleichbarer Größe (vielleicht auch weniger multikulturell als Leipzig?), mag schon mit reinspielen


    Lol, ich habe sogar in erster Linie die Bildung der Deutschen gemeint...
    (Dass Einwanderer möglichst schnell Deutsch lernen sollen etc., setze ich einfach mal voraus)
    Ich lasse gerade beim Thema Judentum eine Thorarolle anfertigen mit Informationen zum Judentum darauf (ich geh mal nicht näher darauf ein )...und eine Schülerin kam an, hatte schon was dazu ausgearbeitet – was jedoch vom Islam handelte. Ihr Kommentar dazu: „Meine Mutter hat gesagt, die Thorarolle gehört zum Islam!“
    Ja, natürlich ist das was sehr Wichtiges!
    Wobei ich mich aber auch frage: Wie viel haben denn das, was man in der Schule über den Islam (oder andere, dem durchschnittlichen Provinzkind eher fremde und abstrakte Religionen) lernt, und die Lebenswirklichkeit der durchschnittlichen Anhänger dieser Religion tatsächlich miteinander gemein? Vielleeeeicht sollte es auch nicht nur darum gehen, dass man lernt "Muslime beten fünfmal am Tag Richtung Mekka, und die Frauen tragen ein Kopftuch, und sie essen kein Schweinefleisch und fasten im Ramadan", was ja für das deutsche Kind naturgemäß alles etwas strange wirkt – sondern dass das im Grunde auch ganz normale Leute sind, also zumindest nicht unnormaler als die Anhänger jeder anderen Religion auch ^^


    In unseren heißgeliebten USA werden übrigens Schwarze sogar von der Polizei umgebracht. Die Entrüstung in Deutschland hält sich in gewissen Grenzen (auch wenn sie natürlich da ist). Und in den USA ist ja das perfide und gleichzeitig interessante, dass die alle Einwanderer sind, weder die Schwarzen noch die Weißen „schon immer“ da gelebt haben (das „Problem“ Indianer wurde ja vorher schon per Genozid gelöst). Daran sieht man, dass Rassismus Macht demonstrieren soll und entsprechend auftritt, je ungleicher die Gesellschaft/ die Menschheit wird.
    Ja, da sprichst du natürlich einen wichtigen Punkt an, den ich vllt von Anfang an noch deutlicher hätte hervorheben sollen: Natürlich sind Rassismus auf der einen und Ablehnung von Fremden bzw. Zuwanderern auf der anderen Seite nicht dasselbe. Fremdenfeindlichkeit kann selbstverständlich rassistisch begründet sein und umgekehrt, muss es aber nicht. Ich glaube, dass ein durchschnittlicher Nazi auch an einem blonden, blauäugigen Rumänen wenig Freude hätte; an einem Türken oder Afrikaner, der schon seit fünfzig Jahren in Deutschland lebt, allerdings auch nicht
    Was Rassismus ist, hab ich vor ein paar Monaten ja schon mal hier versucht zu definieren. Im Prinzip seh ich das auch jetzt noch so. Du hast ja Amerika angesprochen, da leben Weiße und Schwarze schon ungefähr genauso lange (also so ca. 400 Jahre) miteinander und leider oft genug auch gegeneinander; d.h. mit "Fremdenfeindlichkeit" hat das nichts zu tun. Auch die Juden im Dritten Reich waren ja nicht "fremd", sondern haben viele Jahrhunderte lang in diesem Land gelebt. Dass eine derartige Einstellung (also eine bestimmte Gruppe wegen ihrer Abstammung und ggf. Hautfarbe gegenüber der anderen zu benachteiligen) brandgefährlicher Schwachfug ist, muss ich ja hoffentlich nicht extra betonen.
    Ob nun der Zuzug von Neueinwanderern nach Deutschland oder überhaupt in irgendein Land besonders geregelt werden sollte; d.h. ob man unterschiedslos jeden (sei es temporär oder dauerhaft) im Land leben lässt, der möchte, oder ob man z.B. gut ausgebildete Fachkräfte gegenüber ungelernten Hilfsarbeitern bevorzugen sollte, ist da schon wieder eine andere Frage; bei der ich es zumindest legitim finde, sie zu diskutieren. Dennoch sollte selbstverständlich gelten, dass jeder, der ins Land kommt, hier fair und offenherzig willkommen geheißen wird und das Gefühl bekommt, hier in Frieden und Sicherheit leben zu können, und nicht als lästiges, wenn auch leider notwendiges Übel gesehen wird. Und wer (wegen Krieg/Hunger/Elend/Seuchen/whatever) wirklich auf unsere Hilfe angewiesen sind, der soll sie selbstverständlich bekommen.


    Übrigens mal wieder bigott hoch zehn: Medien wie die BILD stellen sich gegen Pegida und schüren gleichzeitig Angst vorm Islam (gestern kam da wohl auch Helmut Schmidt zu Wort, der sich gegen Pegida aussprach, aber andererseits auch vor ner Weile mal sagte, wer sich eine steigende Zahl von Muslimen in Deutschland wünsche, gefährde die innere Sicherheit).
    Und jetzt, wo der Anschlag in Paris geschehen ist, hetzt die BILD schön rum: „Massaker bei Pariser Zeitschrift! Sie stürmten mit Kalaschnikows die Redaktion des islamkritischen Satire-Magazins […] Attentäter riefen: wir rächen den Propheten“ So, wie sie schon seit langem gegen den Islam hetzt, soweit ich das verfolge. Da ist doch klar, wieso sie Angst vor Pegida haben, oder?

    Und wenn ich mich frage „Hm, das war jetzt aber seeeehr schnell klar, dass das Islamisten waren in Paris“, dann komm ich mir so seltsam unaufgehoben vor in unsrer komplexen politischen Welt...
    Interessanterweise hab ich natürlich auch gleich, als ich heute die News aus Paris gelesen habe, an diesen Thread hier gedacht (und nicht nur an diesen, sondern auch an den über Satire und Kabarett), und dabei schoss mir durch den Kopf, wie schnell doch unsere Themen an ganz ungeahnter Aktualität gewinnen können .....

    Naja, aus der Sicht dieses Threads machen mir da v.a. zwei Sachen Sorgen:
    • dass das natürlich wieder sämtlichen latenten und auch nicht ganz so latenten Islam- oder ganz allgemein Ausländerhassern in die Hände spielt (siehe oben bzgl der Gleichsetzung "Islamismus = Islam = Ausländer"); und dass dadurch nun sofort wieder alle Muslime, sowohl die im Orient als auch in Europa, unter Generalverdacht gestellt werden .... siehe auch, was der Postillon schreibt: http://www.der-postillon.com/2015/01...ebdo-ganz.html
    • dass dadurch ausgerechnet Pegida & Co. sich zu den Wortführern der abendländischen Presse- und Meinungsfreiheit aufspielen werden, wo sie doch gestern noch gegen die "Lügenpresse" gehetzt haben

    Joa, und natürlich frage auch ich mich, was das jetzt vor allem für die Freiheit der Kunst bzw. speziell der Satire bedeutet, aber wenn, dann würde das ja schon eher in den Satire-Thread gehören ....




    PS: maaaaannnn, schon wieder ein Kristin-und-Steffen-Thread ..... wo seid ihr denn schon wieder alle?!
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  6. #6
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    Standard AW: Rassismus/Fremdenfeindlichkeit

    Naja was ist denn deine Erklärung dafür, wieso das als Phänomen so sehr auf Dresden beschränkt bleibt?
    Hm, naja, dort hat das ganze eben seinen Ursprung gefunden und wie gesagt, scheinen auch einige von weiter weg nach Dresden zu fahren für Pegida. Vermutlich hat das als Anfangsort eben einen gewissen „Flair“?
    Ich halte es jedenfalls für zu kurz gedacht, dass es in Dresden so wenig Ausländer gibt, dass sie dort so fremdenfeindlich sind, dass sie dort besonders auf die Straße gehen. Im Übrigen hab ich dir erst vor kurzem einen Artikel (den ich für den Unterricht aufbereitet hab) gezeigt, in dem auch in Leipzig Fremdenfeindlichkeit attestiert wurde bzw. zumindest eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber den Ausländern in Leipzig.
    Ich weiß ja, dass Fremdenfeindlichkeit vor allem dort auftritt, wo es wenig Einwanderer gibt, aber das greift hier für mich zu kurz.
    Die Grafik war hier übrigens heut auch in der Zeitung
    Wobei ich mich aber auch frage: Wie viel haben denn das, was man in der Schule über den Islam (oder andere, dem durchschnittlichen Provinzkind eher fremde und abstrakte Religionen) lernt, und die Lebenswirklichkeit der durchschnittlichen Anhänger dieser Religion tatsächlich miteinander gemein? Vielleeeeicht sollte es auch nicht nur darum gehen, dass man lernt "Muslime beten fünfmal am Tag Richtung Mekka, und die Frauen tragen ein Kopftuch, und sie essen kein Schweinefleisch und fasten im Ramadan", was ja für das deutsche Kind naturgemäß alles etwas strange wirkt – sondern dass das im Grunde auch ganz normale Leute sind, also zumindest nicht unnormaler als die Anhänger jeder anderen Religion auch ^^
    Naja, das wäre hier zum Teil wieder eine Diskussion um Lebensnähe oder Lebensfremdheit der Schule bzw. des dort vermittelten Wissens. Wenn ich aber mal an mich zurückdenke: eine gewisse religionskritische Haltung hatte ich ja schon immer, aber diese hat sich doch sehr gewandelt. Ich denke, Faktenwissen (die Heilige Schrift ist der Koran, es gibt die und die Feste, ….) ist erstmal die Grundlage. In Klasse 10 geht es bei uns übrigens um den „Weltethos“, wo also das gemeinsame Element aller Religionen (dass sich zB in jeder Heiligen Schrift sowas wie die Goldene Regel finden lässt) herausgestellt werden soll, aber naja, die (v.a. geistige) Entwicklung ist ja auch da noch nicht abgeschlossen. Ich vermittele ja zB schon beim Judentum (die nach den paganen Religionen ja die erste monotheistische bzw. aktuelle Religion), dass Abraham der Stammvater aller monotheistischen Religionen ist, aber erwarte andererseits nicht, dass die Kinder in Klasse 6 schon die Bedeutung dessen verstehen (also dass alle Religionen im Grunde gleichen Ursprungs sind usw.). Mal wieder sehe ich die Schule nicht als alleinigen Heilsbringer, der Eltern oder Medien aus der Verantwortung entlässt
    und btw: der Islam ist die einzige Religion, wo man verpflichtend über die „mediale Darstellung“ (i.d.F. des Islam) sprechen muss.

    Zu Paris:
    lol, Ausländerhasser? Es ist ja noch gar nicht raus, ob es Islamisten waren (aber Hauptsache gleich erstmal raushauen, dass es so war, und zwar bei weitem nicht nur die Pegida), aber es steht ja die Vermutung, dass da Franzosen Franzosen umgebracht haben (und Islamisten können ja auch Franzosen sein, genauso wie sich Deutsche, also „geborene Deutsche“, radikalisiert haben).
    Dass die Pegida in dem Fall der „Lügenpresse“ glaubt und ihr folgt, ist natürlich auch wieder Realsatire, ja.
    Aber ich hab ja eh das ungute Gefühl, dass diese ganze Spaltung und die Widersprüche und das Gegeneinanderaufhetzen absolut im Plan liegen...
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  7. #7

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    Standard AW: Rassismus/Fremdenfeindlichkeit

    ich finde weder Rassismus noch Fremdenfeindlichkeit sollte Platz in unserer Gesellschaft haben.
    Generell schlimm, dass solche Menschen überhaupt noch eine Plattform bekommen!!

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